Gesundheit

Das Geheimnis der Knoblauchzehen - Warum verschiedene Stoffe aus der Kulturpflanze gegen Herzinfarkte wirken - Allicin als entscheidende Substanz erkannt.

 "Wir gedenken der Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, der Gurken, der Melonen, der Zwiebeln und des Knoblauchs", beschwerten sich die Kinder Israels auf ihrem Marsch durch die Wüste laut der Bibel bei Moses (4.Buch Mose, 22,5). Knoblauch war schon damals unabdingbarer Bestandteil der gepflegten Küche. Doch die alte Kulturpflanze war mehr als nur ein Gewürz. Weil sie heilen konnte, galt sie als heilig. Ärzte verordneten ihren Patienten Knoblauch gegen Typhus, Cholera, Ruhr, Diphterie und Tuberkulose, bei Magenverstimmungen, Verdauungsstörungen, Hämorrhoiden und Hautleiden. Die biochemischen Grundlagen für seine Wirkung haben Wissenschaftler in den letzten Jahren herausgefunden.

So machen Substanzen in der Pflanze nicht nur Bakterien das Überleben schwer, sie unterdrücken auch bei Pilzen und Viren die Vermehrung. Die Wirkstoffe hemmen die körpereigene Cholesterinerzeugung: Insbesondere wird das "schlechte" LDL-Cholesterin (Low density lipoprotein), das Ablagerungen an und in den Arterienwänden begünstigt, eingedämmt. Knoblauch zieht ebenfalls gegen sogenannte freie Radikale ins Feld, aggressive Sauerstoffverbindungen, die an der Arteriosklerose mitwirken und das Erbgut der Zellen angreifen. Damit senkt er das Krebsrisiko, wie eine chinesische Studie belegt. Stoffe im Knoblauch reduzieren darüber hinaus Fibrinogen, einen Eiweißbestandteil, der bei der Blutgerinnung eine Rolle spielt und Thrombosen begünstigen kann. Ebenso hindern sie Blutplättchen daran, sich zusammenzuballen und einen Thrombus zu bilden. Schließlich entspannen und erweitern die Wirksubstanzen die Gefäße. Dadurch sinkt der Blutdruck.

Am Ursprung der heilsamen Kräfte des Naturheilmittels stehen Alliin und das Enzym Alliinase. Die beiden Stofe ruhen - voneinander getrennt - in den Zellen des frischen Knoblauchs. Ihre Namen gehen auf die lateinische Bezeichnung des Liliengewächses zurück, Allium sativum. Erst wenn man eine Knoblauchzehe zerdrückt, kommen die Substanzen in Berührung und reagieren miteinander. Daraus entsteht Allicin, eine farblose, ölige Flüssigkeit mit dem aromatisch-würzigen Geruch von frischem Knoblauch.

Wird Allicin in Fett erhitzt, kommt es zu zahlreichen Umwandlungsprodukten, darunter sogenannten Ajoenen und weniger angenehm riechenden Schwefelverbindungen. In heißem Wasser entstehen ätherische Öle. Die Substanz bekämpft Krankheitsereger ähnlich wie Antibiotika. Die Umwandlungsprodukte des Allicins wirken auf das Blut. Die Schwefelverbindungen und die Ajoene bekämpfen Krebszellen, freie Radikale und Pilze.

Die pharmazeutische Forschung konzentriert sich gegenwärtig vor allem auf die Wirkung des Knoblauchs auf Blutfette, hohen Blutdruck und Arteiosklerose - bedeutendste Ursachen für Herzinfarkte , Schlaganfälle und arterielle Verschlußkrankheiten. Nach einer Analyse von 25 klinischen Studien hat Professor Andrew Neil von der Oxford Universität berechnet: Eine regelmäßige Einnahme von Knoblauch senkt das Gesamtcholesterin im Blut um 10 und den Blutdruck um 8 Prozent. Neil leitet daraus eine Verminderung des Schlaganfallrisikos um bis zu 40 Prozent ab. Die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts soll um 25 Prozent reduziert sein.

Die Hauptschlagader langjähriger Knoblauchfreunde sei wesentlich elastischer als jene von Gegnern der Pflanze, behauptet Professor Gustav Georg Belz, Kardiologe an der Uniklinik Mainz. Bereits nach dreimonatiger Knoblauchtherapie verlängert sich die Gehstrecke von Patienten mit Arterienverschlüssen signifikant, berichtet Professor Holger Kiesewetter vom Berliner Universitätsklinikum Charite.

Quelle: Die Welt